Ein Bericht zur Lage der Nation :)
Die meisten haben es sicher mitbekommen. Nordkorea hat am Dienstag Südkorea angegriffen. Ich habe die Nachricht am Dienstag um halb 4 gelesen. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf der 120 km entfernten Insel immer noch geschossen und mir blieb erstmal das Herz stehen.
2 Tage später.
Das Leben in Seoul ist wieder zur Normalität zurückgekehrt.
Genauer gesagt war es nie anders :)
Als wir am Dienstag von dem Angriff hörten war natürlich erstmal die allgemeine Anspannung und Aufregung zu spüren.
Es ist schließlich das erste Mal seit 1953 das sich die Armee in höchster Alarmbereitschaft befindet und es war auch das erste Mal das die zivile Bevölkerung betroffen war. (Zur Info: Nord- und Südkorea befinden sich offiziell immer noch im Kriegszustand. 1953 würde lediglich ein Waffenstillstand und bis jetzt kein Friedensvertrag geschlossen)
Doch wenn die Koreaner eines können dann ist es die Ruhe bewahren :)

Zwar gab es Demonstrationen vor dem Verteidigungsministerium, die Vergeltung forderten und nordkoreanische Flaggen und Porträts von Kim Jong Il und Kim Jong Un in Brand stecken allerdings fanden sich die meisten Koreaner einfach nur vor den Fernsehern ein um die Nachrichten und die Ansprache des Staatsoberhauptes zu Lage der Nation zu verfolgen. Man bemüht sich um Normalität, z.B. hat auch unser Koreanisch Unterricht 1,5 Stunden nach den ersten Einschlägen ganz regulär stattgefunden.
Es ist wieder einmal faszinierend zu beobachten wie gelassen diese Nation damit umgeht, dass das ihr unberechenbares Nachbarland immer wieder für explosive Überraschungen sorgt.
Wenn man allerdings die koreanische Presse verfolgt wird schnell klar worauf die "Gelassenheit" basiert und welch sensiblen Punkt Nordkorea immer wieder trifft. Das Wort das hier am häufigsten fällt ist "Wirtschaft". Angst vor Krieg ist für Koreaner nämlich gleichbedeutend mit Kapitalflucht ausländischer Investoren und Fall der Börsenkurse. Das wollen Sie UNBEDINGT verhindern und diese Denkweise ist sicher einer der Hauptgründe warum Sie sich all die Provokationen aus dem Nachbarland in den letzten Jahren gefallen ließen.
Während die Wirtschaft 1953 am Boden war und das Land zu den ärmesten der Welt gehörte arbeiten Sie sich in den letzten Jahren auf Rang 15 weltweit vor. Dieses Wirtschaftwachstum hat sich das Land hart erarbeitet und es ist verständlich das Sie diese Erfolge nicht einbüßen möchten!
Grundsätzlich fühl ich mich auch jetzt noch recht echt sicher hier.
Wir hatten uns alle zu Beginn bei den Botschaften registriert. Dort wird man dann gleich mit all den Informationen versorgt, z.B. über welchen Militärflughafen wir im Ernstfall ausgeflogen werden, was wir alles mitnehmen müssen, wo die nächste Evakuierungssammelstelle ist, was welches Sirenensignal bedeutet und und und...
Währrend am Dienstag aber die Norweger z.B. direkt eine Benachrichtigung mit Lagebericht und Notfallnummer bekamen war auf der Homepage der deutschen Botschaft nur zu lesen: "Achtung! Die Botschaft bleibt am 23.11.2010 leider geschlossen" hahaha :)
Ich hoffe beim nächsten Mal gibt es wieder erfreulichere Nchrichten.
Grüße an euch alle. Macht euch keine Sorgen!













